JohnPaul Logbuch No 4 | Nachholbedarf

Knapp zwei Wochen nach unserem ersten Auftritt und meiner überstandenen Corona Erkrankung, finden wir uns wieder einmal zur Probe zusammen. Heute ist Arbeitsteilung angesagt. Während Conny und Karsten im Studio an einem neuen Song feilen und Gitarrenspuren für „Alle wollen weg“ einspielen, finden sich André, Thony und ich im Proberaum ein. Die Fehleranalyse nach dem Gig hat hier und da Dinge ans Tageslicht gebracht, die einer Korrektur bedürfen.

Wir treffen uns um sechs und genießen, vor der Tür auf der Bank sitzend, die abendliche Sonne. Es ist bereits absehbar das ihr wärmender Strahl, so träge er sich auch fortbewegen mag, uns in Kürze im kalten Dunkel zurücklassen würde. Darum gilt es jedes Photon zu erhaschen. Das Licht von der Sonne zur Erde benötigt etwa 8 Minuten. Wenn also mal einer die Laterne ausknipst, gibts nicht mehr viel für uns zu tun, außer vielleicht ein Abschiedslied zu singen.

Thony ist heute mit der Straßenbahn gekommen. Für sein Nord Stage hat er zum Glück eine Tasche mit Rollen. Ich bin mit dem Rad, den Bass auf den Rücken geschnallt und André mit Auto. Der hat aber auch schon kurze Hosen an und obenrum ein Unterhemd mit ‘nem Loch drin. Da soll er nicht frieren, wenn es später kalt wird. Wir reden über dies und das. Auch über den Blobfisch, das angeblich hässlichste Tier der Welt. Wer die Bilder in Erinnerung hat, sieht eine riesengroße, gurkenförmige Nase, darunter ein breiter Mund, wie ein aufgespreiztes Paar Wiener Würstchen, umgeben von einem mit aschenbecherförmigen Augen, dumm aus der Wäsche guckenden, unförmigen Haufen. Ich gebe zu bedenken, dass dieser Fisch ein Tiefseefisch sei und eigentlich ganz normal aussieht. Erst wenn man ihn an die Oberfläche holt und ihn veränderten Druckverhältnissen aussetzt, sieht er aus, wie ein übergekochter Grießbrei, auf den man mit dem Kochlöffel ein komisches Gesicht in 3D gemalt hat. Sei’s drum. Sind ja nicht zum Labern hier.

Heute gilt es dem Fehlerteufel ein Schnippchen zu schlagen. Wir nehmen uns zwei Songs vor, die live nicht so geklappt haben, wie gewünscht. Zuerst „Späti“. Der war schon nicht schlecht, soll aber, vom Drum four-on-the-floor gespielt, noch ein bisschen mehr Drive bekommen. Und siehe da. Zweimal durchgespielt und schon klingt alles smooth, thight und aufgeräumt. Wir nehmen es auf. Durch die sparsame Instrumentierung kling es total chillig. Drum und Bass stellen ein massives Fundament und Thonys Rhodes Sound plätschert mitten hindurch, butterweich. Fantastisch.

Dann noch „Alle wollen weg“, der live nicht so gespielt wurde, wie vorgesehen. Hier ist eine Anpassung vom Drum Rhythmus und vom Bass notwendig. Der Song macht es einem nicht leicht. Trotz der eingängigen Melodie ist er nicht ohne. Wir spielen ihn ein paar Mal und langsam ist Land in Sicht. Geht doch. Ziemlich zufrieden hören wir uns das Ergebnis nochmal an. Thony packt zusammen, muss weiter. André und ich bleiben. Gleich gehts weiter, mit den Skystones.